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Berufsunfähigkeitsversicherung für Frauen: Was du wirklich wissen musst

Berufsunfähigkeitsversicherung für Frauen – warum du sie brauchst, was sie kostet, welche Fallstricke es gibt und wann sie sich wirklich lohnt.

Du hast deine Altersvorsorge schon geplant. Vielleicht mit einem ETF-Sparplan, gepaart mit einer betrieblichen Altersvorsorge. Aber hast du dich schon mal gefragt, was passiert, wenn du morgen nicht mehr arbeiten kannst?

Genau das ist das Szenario, für das eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU) da ist. Und es ist eines der Themen, bei dem Frauen besonders oft schlecht abgesichert sind oder gar nicht.

Warum Berufsunfähigkeit kein Randthema ist

Jede vierte Person in Deutschland wird im Laufe ihres Berufslebens berufsunfähig. Das sind Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Und die häufigste Ursache ist nicht der Unfall auf der Baustelle, sondern psychische Erkrankungen: Burnout, Depressionen, Angststörungen, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparats und Krebs.

Das trifft Frauen mindestens genauso wie Männer. Und trotzdem haben Frauen im Schnitt seltener eine BU-Versicherung oder keine, die zu ihrem Leben passt.

Was passiert ohne BU-Versicherung?

Wenn du berufsunfähig wirst und keine private Absicherung hast, greift die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Das klingt sicherer, als es tatsächlich ist. Die volle Erwerbsminderungsrente bekommst du nur, wenn du weniger als drei Stunden täglich irgendeiner Arbeit nachgehen kannst. Nicht deiner Arbeit, sondern buchstäblich irgendeiner. Das bedeutet: Wenn du als Ärztin nicht mehr operieren kannst, aber theoretisch noch als Kassiererin arbeiten könntest, bekommst du möglicherweise gar nichts.

Und selbst wenn du Anspruch hast: Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente liegt bei etwa 900 € brutto im Monat. Davon kannst du in Deutschland kaum leben.

Warum Frauen bei der BU besonders aufpassen müssen

Frauen sind bei der Berufsunfähigkeitsversicherung in einer besonderen Situation und das aus mehreren Gründen.

Frauen zahlen oft mehr – oder bekommen weniger

Bis 2012 durften Versicherer Frauen günstigere Prämien anbieten, weil sie statistisch seltener berufsunfähig wurden. Seit dem EuGH-Urteil zur Unisex-Tarifen ist das Geschichte. Heute zahlen Frauen in vielen Berufen ähnlich viel wie Männer – obwohl ihr Einkommen im Schnitt 18 % niedriger ist. Das bedeutet: Die BU-Prämie macht einen größeren Anteil des Einkommens aus.

Typische Frauenberufe gelten als Risikoberufe

Lehrerin, Erzieherin, Krankenpflegerin, Sozialarbeiterin: all das sind Berufe, die gesellschaftlich unverzichtbar sind und gleichzeitig von Versicherern als besonders risikoreich eingestuft werden. Hohe psychische Belastung, körperliche Anforderungen, wenig Erholung. Das schlägt sich in höheren Prämien nieder, oder gleich in Ausschlüssen.

Teilzeit und Elternzeit schaffen Lücken

Wer in Elternzeit geht oder auf Teilzeit reduziert, verdient weniger. Aber die BU-Versicherung sichert in der Regel das zuletzt aktiv ausgeübte Einkommen ab und nicht das Vollzeiteinkommen von vor der Elternzeit. Wer das nicht aktiv anpasst, ist im Ernstfall schlechter abgesichert als gedacht.

Psychische Erkrankungen werden häufig ausgeschlossen

Gerade bei Frauen sind psychische Erkrankungen eine häufige Ursache für Berufsunfähigkeit. Viele Versicherer schließen jedoch psychische Vorerkrankungen aus oder verlangen beim Abschluss detaillierte Gesundheitsauskünfte, bei denen schon eine einmalige Therapiesitzung in der Vergangenheit zum Problem werden kann. Hier ist Vorsicht geboten.

Was eine gute BU-Versicherung ausmacht

Nicht jede BU-Police ist gleich. Und der günstigste Tarif ist selten der beste. Hier sind die Kriterien, auf die es wirklich ankommt:

Die richtige Rentenhöhe

Als Faustregel gilt: Die BU-Rente sollte mindestens 70–80 % deines Nettoeinkommens abdecken. Warum? Weil du im Falle einer Berufsunfähigkeit nicht nur dein Gehalt verlierst, sondern auch keine Rentenpunkte mehr sammelst. Die BU-Rente muss also nicht nur deinen Lebensunterhalt sichern, sondern auch Raum lassen, weiter für das Alter vorzusorgen.

Wenn du heute 2.500 € netto verdienst, sollte deine BU-Rente mindestens 1.750–2.000 € monatlich betragen.

Die abstrakte Verweisung – ein entscheidender Punkt

Achte darauf, dass deine Police keine abstrakte Verweisung enthält. Das bedeutet: Der Versicherer darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest. Nur die konkrete Verweisung ist akzeptabel – also der Verweis auf einen Job, den du tatsächlich ausübst.

Gute Tarife verzichten vollständig auf die abstrakte Verweisung. Das ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss.

Die BU-Definition: 50 % sind der Standard

Die meisten Verträge zahlen, wenn du zu mindestens 50 % berufsunfähig bist. Das klingt viel, ist aber der Marktstandard. Prüfe, ob dein Vertrag diese Schwelle klar definiert und wie sie im Leistungsfall nachgewiesen werden muss.

Nachversicherungsgarantie

Das Leben verändert sich: Gehaltserhöhung, Heirat, Kind, Immobilienkauf. Eine gute BU-Police erlaubt es dir, bei bestimmten Lebensereignissen die Rentenhöhe ohne erneute Gesundheitsprüfung anzupassen. Das ist besonders wichtig für Frauen, die nach einer Elternzeit wieder in Vollzeit einsteigen und ihre Absicherung anpassen wollen.

Leistung bei Pflegebedürftigkeit

Einige Tarife zahlen auch dann, wenn du pflegebedürftig wirst – unabhängig von der Berufsunfähigkeit. Das kann ein sinnvoller Zusatz sein, ist aber kein Ersatz für eine separate Pflegeversicherung.

Was kostet eine BU-Versicherung für Frauen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten – aber ein paar Orientierungswerte helfen:

Beispiel 1: Lehrerin, 32 Jahre, Nichtraucherin

  • Gewünschte BU-Rente: 1.800 € monatlich
  • Laufzeit bis 67
  • Monatliche Prämie: ca. 120–180 €

Beispiel 2: Unternehmensberaterin, 35 Jahre, Nichtraucherin

  • Gewünschte BU-Rente: 2.500 € monatlich
  • Laufzeit bis 67
  • Monatliche Prämie: ca. 80–130 €

Beispiel 3: Krankenpflegerin, 28 Jahre, Nichtraucherin

  • Gewünschte BU-Rente: 1.500 € monatlich
  • Laufzeit bis 67
  • Monatliche Prämie: ca. 150–230 €

Die Spanne ist groß – weil Beruf, Alter, Gesundheitszustand und gewählter Tarif massiv auf den Preis einwirken. Wer früh abschließt, zahlt deutlich weniger. Und wer gesund ist, hat die meisten Optionen.

Die häufigsten Fehler beim Abschluss einer BU

Fehler 1: Zu spät abschließen

Je älter du bist und je mehr Vorerkrankungen du hast, desto teurer wird die BU – oder desto mehr Ausschlüsse bekommst du. Wer mit 25 abschließt, zahlt oft ein Drittel weniger als mit 40. Und wer mit 45 zum ersten Mal anfängt, bekommt möglicherweise gar keinen vernünftigen Vertrag mehr.

Fehler 2: Die Gesundheitsfragen nicht ernst nehmen

Beim Abschluss einer BU musst du Gesundheitsfragen beantworten – ehrlich und vollständig. Wer hier schummelt oder vergisst, riskiert, dass der Versicherer im Leistungsfall nicht zahlt. Das nennt sich vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung. Besonders heikel: Therapiesitzungen, Rückenbeschwerden, psychische Diagnosen. Lass dich hier unbedingt beraten, bevor du etwas unterschreibst.

Fehler 3: Den günstigsten Tarif wählen

Günstig klingt gut. Aber eine BU-Versicherung, die im Leistungsfall nicht zahlt, ist wertlos. Prüfe die Bedingungen, nicht nur den Preis. Besonders wichtig: Wie ist Berufsunfähigkeit definiert? Gibt es eine abstrakte Verweisung? Wie kulant ist der Versicherer bei der Leistungsprüfung?

Fehler 4: Die Rentenhöhe zu niedrig ansetzen

Viele Frauen wählen eine BU-Rente von 1.000 € monatlich, weil das die Prämie senkt. Aber 1.000 € reichen in Deutschland kaum zum Leben – schon gar nicht, wenn du gleichzeitig noch für das Alter vorsorgen willst. Lieber etwas mehr absichern und dafür an anderer Stelle sparen.

Fehler 5: Die BU mit einer Lebensversicherung koppeln

Sogenannte Risikolebensversicherungen mit BU-Zusatz klingen praktisch, sind aber oft teuer und unflexibel. Wenn du die Lebensversicherung kündigen willst, verlierst du auch die BU. Besser: Beide Produkte getrennt abschließen.

BU ja oder nein? Eine ehrliche Einordnung nach Lebenssituation

Du bist Anfang 30, angestellt, gesund:

Jetzt ist der beste Zeitpunkt. Du bist jung, gesund, und die Prämien sind günstig. Schließ eine BU ab, bevor sich das ändert. Wähle eine Rentenhöhe, die zu deinem aktuellen Einkommen passt, und achte auf eine Nachversicherungsgarantie.

Du bist in Elternzeit oder Teilzeit:

Deine BU sichert das zuletzt aktiv ausgeübte Einkommen ab. Wenn du gerade in Elternzeit bist, ist das möglicherweise 0 €. Prüfe deinen bestehenden Vertrag und passe ihn an, wenn du wieder einsteigst.

Du bist selbstständig:

Für Selbstständige ist die BU noch wichtiger als für Angestellte – weil du kein Krankengeld, keine Lohnfortzahlung und keine betriebliche Absicherung hast. Gleichzeitig ist der Abschluss komplexer, weil dein Einkommen schwankt. Lass dich hier unbedingt individuell beraten.

Du hast Vorerkrankungen:

Das macht den Abschluss schwieriger, aber nicht unmöglich. Es gibt Versicherer, die bestimmte Erkrankungen besser handhaben als andere. Und es gibt die Möglichkeit einer anonymen Voranfrage, bei der du ohne Namensnennung prüfen kannst, zu welchen Konditionen du versicherbar bist.

Du bist über 50:

Eine BU wird teurer und schwieriger und lohnt sich deshalb vielleicht nicht mehr. Prüfe, ob eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine sinnvolle Alternative ist sie sind günstiger, bieten aber auch weniger Schutz.

BU vs. Alternativen: Was gibt es noch?

Die BU ist die beste Absicherung gegen Berufsunfähigkeit – aber nicht die einzige Option. Hier ein kurzer Überblick:

Grundfähigkeitsversicherung

Zahlt, wenn du bestimmte körperliche Grundfähigkeiten verlierst (Gehen, Sehen, Sprechen, Greifen). Günstiger als die BU, aber enger definiert. Sinnvoll als Ergänzung oder wenn du keine BU bekommst.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU)

Zahlt nur, wenn du gar nicht mehr arbeiten kannst – also weniger als drei Stunden täglich in irgendeinem Beruf. Deutlich günstiger als die BU, aber auch deutlich schlechter. Nur als letzter Ausweg, wenn die BU nicht möglich ist.

Dread Disease / Schwere-Krankheiten-Versicherung

Zahlt eine Einmalzahlung bei bestimmten schweren Erkrankungen (Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall). Kein Ersatz für die BU, aber eine sinnvolle Ergänzung.

Unfallversicherung

Sichert nur Unfälle ab, nicht Krankheiten. Da die meisten Berufsunfähigkeiten durch Krankheit entstehen, ist die Unfallversicherung kein Ersatz für die BU.

Dein nächster Schritt

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die du für deine finanzielle Absicherung treffen kannst. Und gleichzeitig eine der komplexesten – weil die Unterschiede zwischen den Tarifen enorm sind und die Gesundheitsfragen Fingerspitzengefühl erfordern.

Hier ist, was du jetzt tun kannst:

Schritt 1: Prüfe, ob du bereits eine BU hast.

Wenn ja: Schau dir die Bedingungen an. Gibt es eine abstrakte Verweisung? Ist die Rentenhöhe noch passend zu deinem aktuellen Einkommen?

Schritt 2: Wenn du noch keine BU hast:

Warte nicht. Jedes Jahr, das du wartest, macht den Abschluss teurer – oder schwieriger, wenn sich dein Gesundheitszustand ändert.

Schritt 3: Lass dich unabhängig beraten.

Eine BU ist kein Produkt, das du einfach online vergleichen und abschließen solltest, da es hier auf die Ausgestaltung im Detail ankommt. Die Gesundheitsfragen, die Tarifbedingungen und deine individuelle Situation erfordern eine ehrliche, unabhängige Einschätzung, ohne Provision und ohne Interessenkonflikt.

Bei GeldGefährtinnen beraten wir dich auf Honorarbasis. Das bedeutet: Wir verdienen nichts daran, wenn du einen Vertrag abschließt. Unsere einzige Motivation ist, dass die Lösung wirklich zu dir passt. Starte mit unserem Sofort-Check, wenn du einen bestehenden Vertrag prüfen lassen möchtest. Oder buche dir ein Erstgespräch, wenn du von Grund auf neu planst.

Hinweis: Alle Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Finanzbildung und stellen keine individuelle Anlage- oder Versicherungsberatung dar. Prüfe immer, ob eine Strategie zu deiner persönlichen Situation passt, und hol dir bei Bedarf professionelle Beratung.

Inhaltsvereichnis

Du hast deine Altersvorsorge schon geplant. Vielleicht mit einem ETF-Sparplan, gepaart mit einer betrieblichen Altersvorsorge. Aber hast du dich schon mal gefragt, was passiert, wenn du morgen nicht mehr arbeiten kannst?

Genau das ist das Szenario, für das eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz: BU) da ist. Und es ist eines der Themen, bei dem Frauen besonders oft schlecht abgesichert sind oder gar nicht.

Warum Berufsunfähigkeit kein Randthema ist

Jede vierte Person in Deutschland wird im Laufe ihres Berufslebens berufsunfähig. Das sind Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Und die häufigste Ursache ist nicht der Unfall auf der Baustelle, sondern psychische Erkrankungen: Burnout, Depressionen, Angststörungen, gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparats und Krebs.

Das trifft Frauen mindestens genauso wie Männer. Und trotzdem haben Frauen im Schnitt seltener eine BU-Versicherung oder keine, die zu ihrem Leben passt.

Was passiert ohne BU-Versicherung?

Wenn du berufsunfähig wirst und keine private Absicherung hast, greift die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Das klingt sicherer, als es tatsächlich ist. Die volle Erwerbsminderungsrente bekommst du nur, wenn du weniger als drei Stunden täglich irgendeiner Arbeit nachgehen kannst. Nicht deiner Arbeit, sondern buchstäblich irgendeiner. Das bedeutet: Wenn du als Ärztin nicht mehr operieren kannst, aber theoretisch noch als Kassiererin arbeiten könntest, bekommst du möglicherweise gar nichts.

Und selbst wenn du Anspruch hast: Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente liegt bei etwa 900 € brutto im Monat. Davon kannst du in Deutschland kaum leben.

Warum Frauen bei der BU besonders aufpassen müssen

Frauen sind bei der Berufsunfähigkeitsversicherung in einer besonderen Situation und das aus mehreren Gründen.

Frauen zahlen oft mehr – oder bekommen weniger

Bis 2012 durften Versicherer Frauen günstigere Prämien anbieten, weil sie statistisch seltener berufsunfähig wurden. Seit dem EuGH-Urteil zur Unisex-Tarifen ist das Geschichte. Heute zahlen Frauen in vielen Berufen ähnlich viel wie Männer – obwohl ihr Einkommen im Schnitt 18 % niedriger ist. Das bedeutet: Die BU-Prämie macht einen größeren Anteil des Einkommens aus.

Typische Frauenberufe gelten als Risikoberufe

Lehrerin, Erzieherin, Krankenpflegerin, Sozialarbeiterin: all das sind Berufe, die gesellschaftlich unverzichtbar sind und gleichzeitig von Versicherern als besonders risikoreich eingestuft werden. Hohe psychische Belastung, körperliche Anforderungen, wenig Erholung. Das schlägt sich in höheren Prämien nieder, oder gleich in Ausschlüssen.

Teilzeit und Elternzeit schaffen Lücken

Wer in Elternzeit geht oder auf Teilzeit reduziert, verdient weniger. Aber die BU-Versicherung sichert in der Regel das zuletzt aktiv ausgeübte Einkommen ab und nicht das Vollzeiteinkommen von vor der Elternzeit. Wer das nicht aktiv anpasst, ist im Ernstfall schlechter abgesichert als gedacht.

Psychische Erkrankungen werden häufig ausgeschlossen

Gerade bei Frauen sind psychische Erkrankungen eine häufige Ursache für Berufsunfähigkeit. Viele Versicherer schließen jedoch psychische Vorerkrankungen aus oder verlangen beim Abschluss detaillierte Gesundheitsauskünfte, bei denen schon eine einmalige Therapiesitzung in der Vergangenheit zum Problem werden kann. Hier ist Vorsicht geboten.

Was eine gute BU-Versicherung ausmacht

Nicht jede BU-Police ist gleich. Und der günstigste Tarif ist selten der beste. Hier sind die Kriterien, auf die es wirklich ankommt:

Die richtige Rentenhöhe

Als Faustregel gilt: Die BU-Rente sollte mindestens 70–80 % deines Nettoeinkommens abdecken. Warum? Weil du im Falle einer Berufsunfähigkeit nicht nur dein Gehalt verlierst, sondern auch keine Rentenpunkte mehr sammelst. Die BU-Rente muss also nicht nur deinen Lebensunterhalt sichern, sondern auch Raum lassen, weiter für das Alter vorzusorgen.

Wenn du heute 2.500 € netto verdienst, sollte deine BU-Rente mindestens 1.750–2.000 € monatlich betragen.

Die abstrakte Verweisung – ein entscheidender Punkt

Achte darauf, dass deine Police keine abstrakte Verweisung enthält. Das bedeutet: Der Versicherer darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest. Nur die konkrete Verweisung ist akzeptabel – also der Verweis auf einen Job, den du tatsächlich ausübst.

Gute Tarife verzichten vollständig auf die abstrakte Verweisung. Das ist kein Nice-to-have, sondern ein Muss.

Die BU-Definition: 50 % sind der Standard

Die meisten Verträge zahlen, wenn du zu mindestens 50 % berufsunfähig bist. Das klingt viel, ist aber der Marktstandard. Prüfe, ob dein Vertrag diese Schwelle klar definiert und wie sie im Leistungsfall nachgewiesen werden muss.

Nachversicherungsgarantie

Das Leben verändert sich: Gehaltserhöhung, Heirat, Kind, Immobilienkauf. Eine gute BU-Police erlaubt es dir, bei bestimmten Lebensereignissen die Rentenhöhe ohne erneute Gesundheitsprüfung anzupassen. Das ist besonders wichtig für Frauen, die nach einer Elternzeit wieder in Vollzeit einsteigen und ihre Absicherung anpassen wollen.

Leistung bei Pflegebedürftigkeit

Einige Tarife zahlen auch dann, wenn du pflegebedürftig wirst – unabhängig von der Berufsunfähigkeit. Das kann ein sinnvoller Zusatz sein, ist aber kein Ersatz für eine separate Pflegeversicherung.

Was kostet eine BU-Versicherung für Frauen?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten – aber ein paar Orientierungswerte helfen:

Beispiel 1: Lehrerin, 32 Jahre, Nichtraucherin

  • Gewünschte BU-Rente: 1.800 € monatlich
  • Laufzeit bis 67
  • Monatliche Prämie: ca. 120–180 €

Beispiel 2: Unternehmensberaterin, 35 Jahre, Nichtraucherin

  • Gewünschte BU-Rente: 2.500 € monatlich
  • Laufzeit bis 67
  • Monatliche Prämie: ca. 80–130 €

Beispiel 3: Krankenpflegerin, 28 Jahre, Nichtraucherin

  • Gewünschte BU-Rente: 1.500 € monatlich
  • Laufzeit bis 67
  • Monatliche Prämie: ca. 150–230 €

Die Spanne ist groß – weil Beruf, Alter, Gesundheitszustand und gewählter Tarif massiv auf den Preis einwirken. Wer früh abschließt, zahlt deutlich weniger. Und wer gesund ist, hat die meisten Optionen.

Die häufigsten Fehler beim Abschluss einer BU

Fehler 1: Zu spät abschließen

Je älter du bist und je mehr Vorerkrankungen du hast, desto teurer wird die BU – oder desto mehr Ausschlüsse bekommst du. Wer mit 25 abschließt, zahlt oft ein Drittel weniger als mit 40. Und wer mit 45 zum ersten Mal anfängt, bekommt möglicherweise gar keinen vernünftigen Vertrag mehr.

Fehler 2: Die Gesundheitsfragen nicht ernst nehmen

Beim Abschluss einer BU musst du Gesundheitsfragen beantworten – ehrlich und vollständig. Wer hier schummelt oder vergisst, riskiert, dass der Versicherer im Leistungsfall nicht zahlt. Das nennt sich vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung. Besonders heikel: Therapiesitzungen, Rückenbeschwerden, psychische Diagnosen. Lass dich hier unbedingt beraten, bevor du etwas unterschreibst.

Fehler 3: Den günstigsten Tarif wählen

Günstig klingt gut. Aber eine BU-Versicherung, die im Leistungsfall nicht zahlt, ist wertlos. Prüfe die Bedingungen, nicht nur den Preis. Besonders wichtig: Wie ist Berufsunfähigkeit definiert? Gibt es eine abstrakte Verweisung? Wie kulant ist der Versicherer bei der Leistungsprüfung?

Fehler 4: Die Rentenhöhe zu niedrig ansetzen

Viele Frauen wählen eine BU-Rente von 1.000 € monatlich, weil das die Prämie senkt. Aber 1.000 € reichen in Deutschland kaum zum Leben – schon gar nicht, wenn du gleichzeitig noch für das Alter vorsorgen willst. Lieber etwas mehr absichern und dafür an anderer Stelle sparen.

Fehler 5: Die BU mit einer Lebensversicherung koppeln

Sogenannte Risikolebensversicherungen mit BU-Zusatz klingen praktisch, sind aber oft teuer und unflexibel. Wenn du die Lebensversicherung kündigen willst, verlierst du auch die BU. Besser: Beide Produkte getrennt abschließen.

BU ja oder nein? Eine ehrliche Einordnung nach Lebenssituation

Du bist Anfang 30, angestellt, gesund:

Jetzt ist der beste Zeitpunkt. Du bist jung, gesund, und die Prämien sind günstig. Schließ eine BU ab, bevor sich das ändert. Wähle eine Rentenhöhe, die zu deinem aktuellen Einkommen passt, und achte auf eine Nachversicherungsgarantie.

Du bist in Elternzeit oder Teilzeit:

Deine BU sichert das zuletzt aktiv ausgeübte Einkommen ab. Wenn du gerade in Elternzeit bist, ist das möglicherweise 0 €. Prüfe deinen bestehenden Vertrag und passe ihn an, wenn du wieder einsteigst.

Du bist selbstständig:

Für Selbstständige ist die BU noch wichtiger als für Angestellte – weil du kein Krankengeld, keine Lohnfortzahlung und keine betriebliche Absicherung hast. Gleichzeitig ist der Abschluss komplexer, weil dein Einkommen schwankt. Lass dich hier unbedingt individuell beraten.

Du hast Vorerkrankungen:

Das macht den Abschluss schwieriger, aber nicht unmöglich. Es gibt Versicherer, die bestimmte Erkrankungen besser handhaben als andere. Und es gibt die Möglichkeit einer anonymen Voranfrage, bei der du ohne Namensnennung prüfen kannst, zu welchen Konditionen du versicherbar bist.

Du bist über 50:

Eine BU wird teurer und schwieriger und lohnt sich deshalb vielleicht nicht mehr. Prüfe, ob eine Grundfähigkeitsversicherung oder eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine sinnvolle Alternative ist sie sind günstiger, bieten aber auch weniger Schutz.

BU vs. Alternativen: Was gibt es noch?

Die BU ist die beste Absicherung gegen Berufsunfähigkeit – aber nicht die einzige Option. Hier ein kurzer Überblick:

Grundfähigkeitsversicherung

Zahlt, wenn du bestimmte körperliche Grundfähigkeiten verlierst (Gehen, Sehen, Sprechen, Greifen). Günstiger als die BU, aber enger definiert. Sinnvoll als Ergänzung oder wenn du keine BU bekommst.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU)

Zahlt nur, wenn du gar nicht mehr arbeiten kannst – also weniger als drei Stunden täglich in irgendeinem Beruf. Deutlich günstiger als die BU, aber auch deutlich schlechter. Nur als letzter Ausweg, wenn die BU nicht möglich ist.

Dread Disease / Schwere-Krankheiten-Versicherung

Zahlt eine Einmalzahlung bei bestimmten schweren Erkrankungen (Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall). Kein Ersatz für die BU, aber eine sinnvolle Ergänzung.

Unfallversicherung

Sichert nur Unfälle ab, nicht Krankheiten. Da die meisten Berufsunfähigkeiten durch Krankheit entstehen, ist die Unfallversicherung kein Ersatz für die BU.

Dein nächster Schritt

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die du für deine finanzielle Absicherung treffen kannst. Und gleichzeitig eine der komplexesten – weil die Unterschiede zwischen den Tarifen enorm sind und die Gesundheitsfragen Fingerspitzengefühl erfordern.

Hier ist, was du jetzt tun kannst:

Schritt 1: Prüfe, ob du bereits eine BU hast.

Wenn ja: Schau dir die Bedingungen an. Gibt es eine abstrakte Verweisung? Ist die Rentenhöhe noch passend zu deinem aktuellen Einkommen?

Schritt 2: Wenn du noch keine BU hast:

Warte nicht. Jedes Jahr, das du wartest, macht den Abschluss teurer – oder schwieriger, wenn sich dein Gesundheitszustand ändert.

Schritt 3: Lass dich unabhängig beraten.

Eine BU ist kein Produkt, das du einfach online vergleichen und abschließen solltest, da es hier auf die Ausgestaltung im Detail ankommt. Die Gesundheitsfragen, die Tarifbedingungen und deine individuelle Situation erfordern eine ehrliche, unabhängige Einschätzung, ohne Provision und ohne Interessenkonflikt.

Bei GeldGefährtinnen beraten wir dich auf Honorarbasis. Das bedeutet: Wir verdienen nichts daran, wenn du einen Vertrag abschließt. Unsere einzige Motivation ist, dass die Lösung wirklich zu dir passt. Starte mit unserem Sofort-Check, wenn du einen bestehenden Vertrag prüfen lassen möchtest. Oder buche dir ein Erstgespräch, wenn du von Grund auf neu planst.

Hinweis: Alle Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Finanzbildung und stellen keine individuelle Anlage- oder Versicherungsberatung dar. Prüfe immer, ob eine Strategie zu deiner persönlichen Situation passt, und hol dir bei Bedarf professionelle Beratung.

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